Ist eine Wallfahrt heutzutage noch zeitgemäß?

Gruppenfoto 1Also langsam frage ich mich schon, ob die gute alte Wallfahrt heutzutage nicht mehr „In“ ist. Ihr wisst schon, 5 oder 6 Tage gehen, beten oder singen, Gemeinschaft erleben und Gott näher kommen. So wie jedes Jahr fuhr unser Verein 3 Tage nach Maria Zell. Na gut, keine Fußwallfahrt, was will man aber von älteren Damen auch erwarten? Oh gut, 3 Tage beten, singen, den Glauben stärken. Und was erfahre ich dann dort? Erklärt mir die Wirtin, dass jedes Jahr weniger Gruppen kommen, dass Jahr für Jahr die Wallfahrt abnimmt. Woran man das in Maria Zeller kennt? Schon in den 90 er Jahren wurden die ersten Hotels geschlossen, als Wohnungen verkauft. Auch seit einiger Zeit ist wieder eine Unterkunft, diesmal ein Frauenkloster geschlossen worden, zu wenige Schwestern, zu wenig Gäste.

“ Wenn das so weitergeht, meinte die Wirtin zu mir am Abend, dann müssen wir noch mehr zusätzliche Angebote machen“. So geht das nicht weiter. Aber wer wie wir, drei Tage in Maria Zell ist, sieht es selber. Früher sind regelmäßig, Tag für Tag, mehrerere Pilgergruppen, vorallem im Juli angekommen, hat man selber auf den Straßen fast tagtäglich singende und betende Pilger gesehen. so wird es von Jahr zu Jahr immer stiller.

Auch die Hotels und Unterkünfte auf dem Weg nach Maria Zell verfallen. Waren sie früher geschätzte Labestationen, so sind es heute teilweise leerstehende Häuser, die langsam verfallen.

Ein Wandel der Zeit ?

Ja, ein Wandel, aus technischer Sicht auf jeden Fall, der zu erwarten war. Die Fußwallfahrer fahren heutzutage mit der moderniesierten Bahn, oder mit dem eigenen PKw. Andere kommen mit dem Bus nach Maria Zell.

Außerdem ist die Konkurrenz von Maria Zell viel größer geworden. Konnte man sich eine Reise nach Medjugorje früher nicht so leisten, so fahren internationale Busverbindungen täglich nach Bosnien und zurück. So ist eine Fahrt nach Medjugorje auch für Jugendliche leistbar geworden. Wo noch dazu heutzutage die Muttergottes dort den Sehern erscheint. Da ist Maria Zell zwar auch als Magna Autria recht nett, aber eben nicht so interessant wie Medjugorje.

Und waren die Fahrten früher oft die einzige Urlaubsmöglichkeit so gibt es heute 7 Tage Türkei – all inclusive – schon ab ca. 800 oder 900 Euro.

Wäre es aber gerade in unserer Zeit jetzt nicht viel wichtiger, unseren Glauben zu vertiefen und zu festigen ? Wäre es nicht besser, anstatt sich von Medien oder Zeitungen voll labern zu lasssen, wieder viel mehr auf sein Herz und seinen Glauben rückzubesinnen?

So gibt es immer mehr Menschen, die Kloster auf Zeit versuchen, die sich einige Tage in die Stille bewusst zurückziehen um wieder Kraft zu tanken. Vielleicht wird es in Zukunft wieder Menschen geben , die sich verstärkt auf den Weg machen, und sei es nur eine Teilstrecke, um eben diese Erfahrung des Gehens, Betens und der stillen Einkehr während des Gehens zu machen. Es kommt nicth darauf an, weit zugehen, sondern,  dass man geht. Das Wichtige dabei ist , in die eigene “ Mitte “ zu gelangen. Ob ich gehe, sitzend meditiere, oder in einem Klostergarten meine Runden gehe, egal. Das ich in die “ eigene Mitte “ komme ist wichtig, Gott in sich selber zu erfahren. Nur das kann man bei dieser technisierten Welt immer weniger. In diesem Sinne, vielleicht gibt es in der Zukunft wieder jüngere Menschen, die sich auf den Weg machen und ihre Schritte nach Maria Zell lenken?

 

 

 

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