Schottland, ein Teil der EU?

Ein Kommentar von Jörg Gebauer

Schottland stellt mit seinen 5,3 Mio. Menschen nur 8 % der 65 Mio. Gesamt-Einwohnerschaft Groß-Britanniens – Das ist den meisten gar nicht klar – – Alle mögen Schottland: Grandios. Putzig die Schottenröcke. Eigensinnig. Mit viel Tradition, viel Wasser und vielen grünen Bergen. Alle mögen ja auch zum Beispiel Mecklenburg-Vorpommern: Urlaub. Unglaublich schöne Seen-Landschaft. Erinnert irgendwie an Skandinavien. Da werden die Gefühle schnell aktiviert. Alles keine Frage.

Man sollte aber auch einmal nur die nackten Zahlen sprechen lassen. Man stelle sich einfach vor, es hätte in Deutschland eine große Volksabstimmung z.B. über eine weitere NATO-Mitgliedschaft gegeben. Dabei stimmen Bayern, Hamburg, Sachsen-Anhalt, Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein, Thüringen, Bremen, Rheinland-Pfalz, Mecklenburg-Vorpommern, Saarland, Niedersachsen, Berlin, Nordrhein-Westfalen und Sachsen mit einer deutlichen Mehrheit für Position A (Austritt aus der NATO).

Nur Hessen und Brandenburg stimmen für Position B (Verbleib in der NATO). In diesem Bild entspricht größenmäßig dem „Bundesland Brandenburg“ die „Region Nord-Irland“ und dem „Bundesland Hessen“ die „Region Schottland“. So sind tatsächlich die Größen-Verhältnisse. Was Hessen zahlenmäßig in Bezug auf Deutschland (8% zu 92%), ist Schottland in Bezug zu Groß-Britannien.

Nun kommt Hessen auf die Idee, aus Deutschland auszutreten und sich der NATO als eigenständiges Mitglied anzuschließen. Überhaupt müsse die gesamte Abstimmung wiederholt werden. Das NATO-Hauptquartier erklärt umgehend, man wolle Hessen gerne sofort aufnehmen und das restliche Deutschland mit seinen 92 Prozent der Bevölkerung solle umgehend heraus, obwohl es erklärtermaßen enger Partner (aber eben eigenständig) des Bündnisses bleiben wolle.

Deutschland habe zudem keine zuvorkommende Behandlung bei den Austrittsgesprächen zu erwarten. Also: „Pack Deine Klamotten und verschwinde“. Fände man Hessen mit seinen grünen Bergen dann noch ‚grandios und putzig‘ oder würde man dies Unterfangen eher als zutiefst illoyal betrachten? Geschmackssache. Jedenfalls würde man die Verantwortlichen im NATO-Hauptquartier für anmaßend und verrückt halten. So wie es diejenigen im EU-Hauptquartier offenkundig sind.

Da beruhigt zumindest eines: Die britische Diplomatie wird Berlin und Brüssel in Kürze eine heftige Lehre erteilen. Denn die EU-Verhandlungs-Position ist in Wahrheit unglaublich schwach. Die große Mehrheit der verbleibenden 27 EU-Länder sympathisiert mit Groß-Britannien und schickt bereits entsprechende diplomatische Noten an die anderen Regierungen. Die Briten basteln längst an einem eigenen Wirtschaftsraum. Der Kanzler-Job wird bald sehr unangenehm. Und Juncker wird zurücktreten.

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Über Hans-Georg Peitl, Präsident

.) Präsident des Ordo templis liberalis - Die Templer - Humanistische Union Liberaler Entwicklung .) Obmann der Christlich Liberalen - Österreichs rot-grüner Volkspartei .)Herausgeber des Liberalen Boten
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