Der Streit um die Modernität der Kirche – Konservativ versus Modernität

Ach ja! Wie heißt es immer so schön! Die Kirche ist altmodisch und konservativ u.s.w. Aber soll und muss eine Kirche,  die seit mehr als 2000 Jahre besteht immer mit dem Trend der Zeit mitgehen? Gilt man gleich als nicht mehr zeitgemäß, wenn man nicht mit der Zeit mitgeht.

Doch immer mehr Menschen besinnen sich ihrer Traditionen, ob Trachtenvereine, Musikkapellen, die iher Musik seit Generationen spielen. Die Kirche, als ein Fels in der Brandung soll eben auch in einer stürmischen Zeit Anker und Halt für die Gläubigen sein. Sicher strukturell ist ein Wandel inder Kirche zu spüren. Aber da kommen schon die Kritiker, die kleineren Gemeinden die sofort rufen, Aber bitte nicht unsere Gemeinde schließen. Ach wie war das? Modernität versus Konservativität! Erneuerung ja, aber nicht bei uns. Aber so geht das nicht. Pfarrzusammenlegungen sind nur ein Teil einer moderneren Kirche, die den Anforderungen von Heute gerecht werden will. Auch, dass immer mehr Frauen bei der Gestaltung von Wortgottesdiensten herangenommen werden, ist ein Ausdruck des Wandels. Nur bei so einer großen Institutition wie der Kirche, dauert ein Wandel viel länger und ist auch viel langsamer.

Was sagt Dr. Martin Hähnel dazu?

Die jüngst veröffentlichten Zahlen, die von einem Höchststand bei den Kirchenaustritten sprechen, entfachen mal wieder die alte Diskussion, welchen Platz die Katholische Kirche in der modernen Gesellschaft eigentlich einnimmt bzw. einnehmen soll.

Ungeachtet der Tatsache, dass diese Frage schon falsch gestellt ist, begegnen wir in diesem Zusammenhang immer wieder Aussagen, die von der quasi angeborenen Fortschrittsfeindlichkeit und Rückständigkeit der Katholischen Kirche sprechen, die unter anderem dazu geführt habe, dass die Kirche nicht mehr zeitgemäß sei und sich aus diesem Grund immer mehr Menschen von ihr abwenden mussten. Dieser Vorwurf wird inzwischen so inflationär gebraucht, dass ihn ein vernünftiger Mensch nicht mehr ernst nehmen kann.

Hinzu kommt, dass sich Fortschrittsfeindlichkeit und Rückständigkeit gerade auch und eher unbemerkt außerhalb des katholischen Umfeldes manifestieren, wo noch immer an Prinzipien festgehalten wird, deren Gültigkeit schon längst falsifiziert worden ist. Deshalb sind gerade diejenigen, welche allzu schnell den viel zu schwachen Ausdruck „konservativ“ im Munde führen, die letzten Reaktionäre, welche glauben, den Lauf der Geschichte ändern zu können.

Wir befinden uns also in einer Zeit, die sich weder als Moderne noch als Postmoderne bezeichnen lassen kann. Ja, der Begriff der Moderne selbst wirkt anachronistisch, sodass eine neue Sprachlosigkeit im Hinblick auf die kulturell-gesellschaftliche Selbstverortung festzustellen ist.

Wohl besteht ein noch heute wirksames Relikt dieser auslaufenden bzw. sich langsam auflösenden Moderne darin, nicht vor diese Moderne zurückgehen zu dürfen. Ich frage allerdings: Warum eigentlich nicht? Vielleicht ist die „Vormoderne“ in einer bestimmten Hinsicht, gerade im rückblickenden Durchgang, doch „moderner“ als wir glauben? Und wieso sind wir immer noch nicht überzeugt davon, dass die Moderne auch altern bzw. ihre selbstbegründende Innovationskraft auch einbüßen kann?

Die sogenannte Modernität bzw. deren Postulierung, auf die sich demokratische und kirchliche Autoritäten noch immer gern berufen, hat im 21. Jahrhundert sichtbare Falten bekommen. Daran konnte auch die Postmoderne, welche an der Moderne noch das schätzte, was sie selbst nicht mehr zu bestätigen wusste, nichts mehr ändern. Das Ergebnis dieses Prozesses ist, dass wir uns gegenwärtig in einem Vakuum befinden, aus dem wir nur heraustreten können, indem wir entweder der auslaufenden Moderne alles opfern, was wir ihr verdanken, oder endlich versuchen, sie zu vollenden.

Diese Vollendung kann allerdings nur mit einer Radikalisierungsbewegung einhergehen und muss von einer Institution ausgehen und getragen werden, der man diese Initiative am wenigsten zutraut – die Katholische Kirche. Diese Radikalisierung kann allerdings nur gelingen, wenn sich die Katholische Kirche von jener Fessel befreit, die sie sich durch innere Richtungs- und Lagerkämpfe selbst auferlegt hat. Die Katholische Kirche muss also endlich bekennen, dass sie die Modernität selbst ist bzw. immer schon gewesen ist, denn ansonsten würde sie heute nicht mehr existieren. Im Zuge dessen müssen sich vor allem diejenigen in der Katholischen Kirche, die den Begriff der Modernisierung bislang gebraucht bzw. für sich reklamiert haben, fragen, ob sie ihn in einer radikalisierten Form überhaupt weiter so verwenden können. Auch sollten diejenigen Vertreter, die gern von der „Geißel des Modernismus“ sprechen, die Bedingungen, welche sie zu dieser Einschätzung geführt haben, erneut prüfen. Sie werden dann vielleicht erkennen, dass Moderne auch etwas sein kann, das zugunsten der Katholischen Kirche begriffen werden, sozusagen als ein „konservatives“ Element von ihr; ein wertvolles Gut also, welches man gegnerischen Kräften nicht einfach kampflos überlassen sollte.

Grundsätzlich gilt daher, dass die versöhnenden Rede von einer „gemäßigten Moderne“ ein hölzernes Eisen ist und nur den Unwillen verdeckt, sich der Welt in einer bestimmten Weise zuzuwenden. Eine besondere Form der Zuwendung zur Welt, die dem Anspruch einer vollen Modernität der Kirche gerecht werden kann, hat Benedikt XVI. paradoxerweise als „Entweltlichung“ bezeichnet. „Entweltlichung“ meint dabei nicht einen Rückzug der Kirche aus der Welt um der Kirche willen, sondern einen Rückzug der Kirche aus der Welt um der Welt willen, was quasi beiläufig dazu führen kann, dass sich die Kirche sowohl nach innen als auch nach außen zu stärken vermag. Diesen Kurs hat übrigens auch Papst Franziskus eingeschlagen, indem er immerzu betont, dass alles Leben und Tun in der Welt nicht der Welt zu liebe geschehen soll, sondern „um Gottes willen“. So kath.net

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