Was war am Anfang, wer weiß das schon?

mnephistopheles Geschrieben steht:

»Im Anfang war das Wort!«
Hier stock ich schon! Wer hilft mir weiter fort?
Ich kann das Wort so hoch unmöglich schätzen, Ich muß es anders übersetzen,
Wenn ich vom Geiste recht erleuchtet bin.
Geschrieben steht: Im Anfang war der Sinn.
Bedenke wohl die erste Zeile,

Daß deine Feder sich nicht übereile!
Ist es der Sinn, der alles wirkt und schafft?
Es sollte stehn: Im Anfang war die Kraft!
Doch, auch indem ich dieses niederschreibe,
Schon warnt mich was, daß ich dabei nicht bleibe.
Mir hilft der Geist! Auf einmal seh ich Rat
Und schreibe getrost: Im Anfang war die Tat!“

Doch bevor ich`s weiter überlege und unbedacht ein Wort von mir gebe – pardon, stell ich mir die Frage: Was war da wirklich am Anfang? Wer weiß das schon?“

Ja so habe ich ein wenig die Worte von Faust, die Goethe in seinem Werk verfasst hat, weitergesponnen. Schon Goethe, der in Faust einen suchenden Menschen dargestellt hat, der sich zu einem Pakt mit dem Teufel einlässt, war ein gläubiger, aber sicher auch ein suchender Philosoph.

So hat Goethe zu Beginn den Dialog gestellt, wo er Faust als Suchenden, Zweifelnden darstellt, der zwar viel studiert hat, sich sogar mit den dunklen Künsten abgibt, aber trotzdem im Innern weiß, dass da mehr sein muss. So erscheint ihm der Teufel und antwortet Ihm:

Ich bin der Geist, der stets verneint!
Und das mit Recht; denn alles, was entsteht,
Ist wert, dass es zugrunde geht;
Drum besser wär’s, dass nichts entstünde.
So ist denn alles, was ihr Sünde,
Zerstörung, kurz das Böse nennt,
Mein eigentliches Element.“

Weiter im Text:

MEPHISTOPHELES:
Bescheidne Wahrheit sprech ich dir.
Wenn sich der Mensch, die kleine Narrenwelt
Gewöhnlich für ein Ganzes hält-
Ich bin ein Teil des Teils, der anfangs alles war
Ein Teil der Finsternis, die sich das Licht gebar
Das stolze Licht, das nun der Mutter Nacht
Den alten Rang, den Raum ihr streitig macht,
Und doch gelingt’s ihm nicht, da es, so viel es strebt,
Verhaftet an den Körpern klebt.
Von Körpern strömt’s, die Körper macht es schön,
Ein Körper hemmt’s auf seinem Gange;
So, hoff ich, dauert es nicht lange,
Und mit den Körpern wird’s zugrunde gehn.

Was wollte Goethe damit uns sagen: Dass Gut und Böse am Anfang „eins“ war. Und damit will uns Goethe auch mitteilen, dass das Gute und Böse in uns ist, also beides ein Teil von uns.

Dabei hat Goethe ganz bewusst diese Form der Sprache gewählt und den Teufel als das Böse dargestellt, dass ja in jedem Menschen vorhanden ist. Dass sich Goethe mit Faust nicht nur kurz beschäftigte,  dass er zunächst einen „Urfaust“ verfasste und dann den Faust überarbeitete und in die uns jetzt bekannte Fassung brachte, zeigt uns, dass Goethe selber intensiv mit diesen Fragen auseinandersetzte und sich mit den philosophischen Fragen sehr wohl beschäftigte.  Dieser Stoff, und somit die geistige Auseinandersetzung mit Gott scheint Goethe nicht nur selber zu wollen, es zeigt uns, dass er damit die Fragen, das Zweifeln, das Zaudern von uns Allen darstellen wollte.

Sind wir nicht, obwohl heute die Wissenschaft uns viele Fragen beantworten kann und der Wandel der Gesellschaft im Laufe der Geschichte vieles verändert hat, doch irgendwie, was das den Glauben angeht, noch auf der Stufe eines Goethe und des zweifelndes Faust, der unsicher, was das göttliche angeht, mit dem Teufel einen Pakt eingeht? Sind wir nicht auch trotz Fortschritte der Technik noch Suchende und viele von uns Zweifelnde, was den Glauben angeht? Genießen wir den Dialog und denken wir doch selber über unseren Glauben und unsere eigene Einstellung Gott  gegenüber nach und machen wir uns doch auch bewusst, dass auch wir immer noch zweifelnde und suchende Menschen sind. Denn wir alle befinden uns auf einem Weg, auf dem es oft Rückschläge oder größere Hindernisse gibt. Lassen wir uns nicht beirren und stärken wir uns im Glauben, dass das Gute in uns siegen kann. Anhören: https://www.youtube.com/watch?v=fxOI3fTlBiA

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